In diesem
Teil soll anhand eines ausführlichen Beispiels die Handhabung und der Umgang
mit dem Chromatographen veranschaulicht werden. Nach
Hinweisen zur Benutzung der Software werden die Grundlagen der Probenaufgabe erläutert, anschließend werden die Abläufe
bei der Analyse eines Kohlenwasserstoffgemischs und
der Auswertung einer Messung exemplarisch behandelt.
Die einzelnen
Beispiele können Sie mit der CGA21-Software nachvollziehen, und zwar nicht nur
am Gerät selbst, sondern mit einer Simulationssoftware, die Sie auf jedem
Windows PC ausführen können. Messungen aufnehmen können Sie am PC natürlich
nicht, aber die Auswertung sowie die einzelnen Schritte bis zum Start einer
Messung lassen sich aufzeigen und zum Beispiel im Lehrsaal in der Projektion
demonstrieren. Der mit Ihrem Gas-Chromatographen
CGA21 gelieferte USB-Stick enthält die Systemsoftware des Geräts in einer
portablen Form, die es erlaubt, die Auswertesoftware auf jedem Windows–PC zu betreiben
– ohne Installation. Die Software läuft auf gängigen PCs mit Windows®
XP/Vista/7
Zum Starten
des Programms gehen Sie so vor:
·
Stecken
Sie den Stick in eine USB Buchse Ihres PCs.
·
Öffnen
Sie den Explorer (z. B. mit Rechtsklick auf die Windows Start–Taste und Auswahl
„Explorer“) Sollte Ihnen die Autorun-Funktion in die
Quere kommen, beenden Sie diese.
·
Suchen
Sie den USB-Stick und öffnen Sie den Ordner _CGA21 (siehe Abb.)
·
Starten
Sie die ausführbare Datei gc.exe mit
Doppelklick. Eine eventuelle Sicherheits-Rückfrage des Betriebssystems
beantworten Sie sinngemäß mit „zulassen“.
Nach dem
Starten des Programms wird selbsttätig eine GC-Messung geladen, mit der Sie
sofort zur Bedienung des Programms schreiten können. Die Software darf an
Mitarbeiter, Studenten und Schüler Ihrer Einrichtung zur Benutzung weiter
gegeben werden.
Die Software befindet sich im Beta Stadium. Bitte helfen Sie mit,
das Programm zu verbessern und senden Sie Fehlerberichte direkt an frank.beer@s-lg.de
Die
Probenaufgabe ist der einzige Schritt in der Bedienung eines Chromatographen, der ein gewisses Maß an Übung und
Fingerfertigkeit erfordert, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.
Spritze aufziehen:
Beim Aufziehen der Spritze schieben Sie den Kolben bis zum Anschlag ein,
tauchen die Nadel in die Flüssigkeit und ziehen dann den Kolben langsam weit
über das einzustellende Volumen hinaus hoch. Nun betrachten Sie die
aufgezogene Flüssigkeitssäule. Ist sie weitgehend
blasenfrei – sehr kleine Luftblasen in der Größenordnung 0,01µl lassen sich
praktisch nicht vermeiden – so schieben sie den Kolben zur Spitze hin, bis das
gewünschte Volumen eingestellt ist. Eventuell vorhandene Luftblasen können
Sie dabei anrechnen.
Beispiel: Sie haben eine Luftblase von ca 0,1µl in der Flüssigkeitssäule, das gewünschte Volumen
sei 1µl, folglich wird der Kolben auf das Volumen 1,1µl eingestellt. Enthält
die aufgezogene Flüssigkeit zu viel Luft, dann stoßen Sie den Kolben mehrmals
schnell – jedoch nicht zu schnell, die Geschwindigkeit ist Gefühlssache – bis
zum Anschlag in die Spritze, ziehen jedesmal langsam wieder auf und betrachten die
Flüssigkeit. Erscheint Ihnen die Luftmenge klein genug, so verfahren Sie wie
oben und justieren das Probenvolumen unter Anrechnung der Luftmenge.

Abb. 11: Einführen der Nadel in den
Injektor
Injektion: Hier müssen zwei sich widersprechende
Forderungen gegeneinander abgewogen werden. Zum einen sollte die Injektion
schnell gehen, denn es ist einleuchtend, dass sich die dünne Spritzennadel im
heißen Injektor sehr schnell erwärmt. Wenn Ihre Probe in der Nadel siedet,
tritt ein Teil der Substanz vorzeitig aus der Nadel aus. In der Folge erhalten
Sie verbreiterte, deformierte oder gar verdoppelte Peaks. Zum anderen müssen
Sie mit der relativ dünnen Nadel das Septum des Injektors durchstechen, was
eine bestimmte Kraft und entsprechende Sorgfalt im Umgang mit der empfindlichen
Spritze erfordert. Wenn die Spritze dabei nur am Glaskörper gefasst wird,
weicht die Nadel zur Seite aus und knickt ab. Fassen Sie daher die Spritze mit
der einen Hand am Glaskörper und führen mit Daumen und Zeigefinger der anderen
Hand die Spritzennadel. Sobald die Nadel bis zum Anschlag eingeführt ist, drücken Sie den
Kolben schnell herunter und ziehen die Spritze sofort wieder heraus. Diesen
Ablauf sollten Sie so mit dem Countdown des Chromatographen
abstimmen, dass bei Erreichen der Null gerade der Spritzenkolben niedergedrückt
wird. (Näheres zum Ablauf beim Start einer neuen Messung finden Sie unter Punkt
2.3)
Anmerkung: Die Diskussion um das giftige Benzol
im Superbenzin ist heute überwunden. Überdies ist die Verwendung von Benzol im
Schullabor nicht mehr gestattet. Benutzen Sie andere Inhaltsstoffe, wenn Sie
die hier dargestellten Bestimmungen im Lehrbetrieb nachvollziehen möchten. Als
solche bieten sich an: Alkane, Toluol, Ethanol im E10-Super usw.
Die
Untersuchung von Mineralölprodukten ist eine wichtige Domäne der Gaschromatographie, da diese komplexen Stoffgemische mit
keiner anderen Untersuchungsmethode so elegant zu
analysieren sind. In diesem Beispiel soll der Benzolgehalt in Superbenzin bestimmt
werden, das im Ottokraftstoff in wechselnden Mengen in der Größenordnung von
einigen Prozent enthalten ist. Markierung Fussnote

Abb. 12: Chromatogramm
von Superbenzin
Die
Abbildung zeigt das Chromatogramm von
Superkraftstoff. Einer der hier sichtbaren Peaks stammt vom Benzol, aber
welcher? Dateiname: Aral_Benzol.gcx
Eine
Möglichkeit, diese Frage zu entscheiden, besteht darin, der Probe des zu analysierenden
Gemischs eine gewisse Menge des Stoffes
zuzusetzen, der gesucht wird, in unserem Falle also Benzol. Die Menge des
zugesetzten Stoffes sollte in der Grössenordnung
liegen, in der Sie den Stoff in der Analysenprobe vermuten. In unserem Beispiel
wurde dem Superbenzin 10 Volumen-%
Benzol zugesetzt. Diese Probe wird mit denselben Messparametern chromatographiert, wie die Originalprobe. Auch Gasdruck und
Splitverhältnis sollten gleich sein. Beide Chromatogramme werden nun verglichen. Dazu betätigen Sie
zunächst die Schaltfläche „Messungen vergleichen“. Über die Schaltfläche „Ref. Öffnen“ laden Sie sodann die Messung des Superbenzins
mit dem Benzolzusatz. Dateiname: Aral_Benzol_Zusatz.gcx


Abb. 13: Vergleich von Superbenzin
(unten) und Superbenzin mit Benzolzusatz (oben)
Nun
gilt es, die beiden Chromatogramme geeignet zu
skalieren und sodann einer eingehenden Sichtprüfung zu unterziehen. Sollte
die Analysensubstanz Benzol enthalten, dann muss es im Vergleichschromatogramm
einen Peak geben, der auch im Original vorhanden, dort aber im Vergleich zu den übrigen Peaks
deutlich kleiner ist. Der Einfachheit halber wurden die Peaks hier bereits
markiert. Um Ihre Fähigkeit zur Mustererkennung zu testen, verwenden Sie jedoch besser die unmarkierten Dateiversionen, die ebenfalls im Verzeichnis
„_GC_Mes“
enthalten sind. In der Ausschnittsvergrößerung
sieht die Sache doch recht ordentlich aus, so dass wir der Annahme, es handle
sich bei Peak 1 um Benzol, eine (mäßig) hohe Wahrscheinlichkeit zubilligen
können. Will man zu dem gelangen, was umgangssprachlich mit „Gewissheit“ bezeichnet
wird, so sind weitere Methoden nötig, zum Beispiel die massenspektrometrische
Analyse einzelner Peaks (GC/MS), in der professionellen Analytik Stand der
Technik, im Ausbildungsbetrieb eher die Ausnahme.

Abb. 14: Ausschnitt aus Abb.. 13
Quantitative Bestimmung:
Der nächste
Schritt ist nun die Ermittlung des Benzolgehalts in der untersuchten Probe.
Zwei Wege zu diesem Ziel sollen hier beschrieben werden:
1. Vergleich
Einzelpeak/Gesamtfläche:
Abschätzung des Gehalts durch Vergleich der Peakfläche
des Benzols mit der Gasamtfläche aller Peaks
2. Vergleich
mit Referenzmessung:
Bestimmung der Absolutmasse durch Peak-Vergleich mit
einer Referenzsubstanz
Vergleich Einzelpeak/Gesamtfläche
Dieses
einfache und schnelle Verfahren erlaubt nur eine grobe Gehaltsabschätzung. Die
Vorgehensweise: (siehe Abb. 13)
·
Das
gesamte Chromatogramm wird markiert.
·
Der
Peak, dessen Anteil an der Gesamtmenge bestimmt werden soll, wird durch zweimalige
Teilung so zerlegt, dass der zu ermittelnde Peak „freigestellt“ ist. In der
Abbildung ist er gelb gezeichnet. Zur Teilung von Peaks siehe Kapitel 2.4
·
In
der Peakliste tauchen nun drei Peaks auf: Einer vor
dem gesuchten Stoff, dann der gesuchte Stoff selbst, hier Benzol, danach alle
Stoffe, die nach Benzol eluiert werden. Die %-Gehalte
an der Summe der markierten Peaks lassen sich direkt ablesen, hier mit einem
Wert von 2,7% durchaus plausibel.
Obwohl für
eine orientierende Abschätzung oftmals brauchbar, ist dieses Verfahren mit
gravierenden Mängeln behaftet. Der wichtigste: die Empfindlichkeit eines
Detektors ist von der Stoffart abhängig.

Bestimmung der Absolutmasse durch Vergleich mit einer Referenzsubstanz
Für diese
klassische quantitative Bestimmung benötigt man eine weitere Messung mit einer
Standardlösung, in der Benzol in einer bekannten Konzentration enthalten ist.
Es ist empfehlenswert, bei der Herstellung eine Konzentration zu wählen, die
in etwa der zu erwartenden Konzentration entspricht, hier also ca. 3-4%. Zum
Nachvollziehen der Beispiele benutzen Sie die Datei: Heptan_Benzol_mark_quant.gcx
Zur
Herstellung einer Vergleichslösung wird ein kleiner Messkolben ungefähr zur
Hälfte mit Lösungsmittel, etwa n-Heptan gefüllt, verschlossen und ausgewogen,
eine grob geschätzte Menge an Benzol unter dem Abzug hinzupipettiert,
verschlossen und erneut gewogen. Nach dem Auffüllen mit Lösungsmittel auf das
Nennvolumen ist die Konzentration in [mg/ml] bekannt. Sie ist natürlich
betragsgleich mit der Konzentration in [µg/µl]. Chromatographieren
Sie die Vergleichslösung mit denselben Messparametern, die Sie bei der
Hauptmessung eingestellt hatten, und markieren Sie den Benzolpeak (siehe oben)

Abb. 16: Referenzmessung Benzol in
Heptan, Eintragen der Peakmasse
Wenn Sie in den Benzolpeak klicken, erscheinen dessen Peakdaten in der ersten Zeile der Peakliste.
Ein Doppelklick in die Zelle der Spalte „Masse
[µg]“ öffnet das Eingabefeld für die Peakmasse.
Die Masse der eingespritzten Benzolportion berechnet sich aus dem Volumen der
injizierten Mischung, sowie deren Konzentration, in unserem Beispiel mit
w(Benzol) = 3,49 g/l:
m(Benzol) = V(Injektion) [µl] × w(Benzol) [µg/µl]
m(Benzol) = 0,5 µl ×
3,49 µg/µl »
17,5 µg
Dieser Wert wird eingetragen, die
Schaltfläche „eintragen“ betätigt, worauf auch die Zeile in der Peakliste die neuen Werte enthält, gleichzeitig wird die Peakschraffur grün, um anzuzeigen, dass der Peak nunmehr
mit einer Absolutmasse versehen ist.
Nun werden
die Referenzmessung und die Messung verglichen. Öffnen Sie, falls noch nicht
geschehen die Hauptmessung über die Schaltfläche Messung öffnen, betätigen Sie sodann die Schaltfläche Messung vergleichen und öffnen Sie
ebenso die Referenzmessung (Schaltfläche Ref.
öffnen) Skalieren Sie nun die beiden Chromatogramme
so, dass die markierten Peaks ungefähr
übereinander liegen. Betätigen Sie nun die Schaltfläche vergleichen und fahren
Sie den Mauszeiger in das Chromatogramm. Es erscheint
ein Linienzeiger in beiden Diagrammen; verschieben Sie diesen so, dass er durch
beide markierte Peaks verläuft und klicken Sie links.

Abb. 17: Absolutmassenbestimmung
Benzol in Superbenzin, Vergleich mit Referenzmessung
Dadurch
geschieht folgendes: Aus der bekannten Masse des Referenzpeaks und dessen
Fläche wird ein Eichfaktor berechnet und sofort auf die Fläche des Peaks in der
Hauptmessung angewandt, wodurch auch dessen Masse
bekannt ist. Vergeben Sie auch gleich den Namen für den Peak in der
Hauptmessung indem Sie einen Doppelklick in die Zelle der Namensspalte machen
und in dem Info-Fenster einen Eintrag vornehmen. Vergessen Sie nicht, nach
diesen Auswertungen die Messung zu speichern. Sie haben nun die Masse des
Benzols ermittelt, die in unserer Probe des Superbenzins enthalten ist. Bei
einem Injektionsvolumen von 1 µl ergibt sich der
Gehalt des Treibstoffs an Benzol damit zu:
|
m(Benzol) |
= |
16,76µg |
|
|
|
|
|
w(Benzol) |
= |
16,76µg/1µl |
= |
16,76 g/l |
|
|
|
Mit der
Dichte des Benzols von ρ = 0,874g/ml wird der Volumenanteil zu |
||||||
|
v(Benzol) |
= |
16,76 [g /l] / 0,874 [g/ml] |
= |
19,2 / 1000 |
= |
1,92 % |