Die
Chromatographie in der Gasphase ist eine der Säulen der instrumentellen Analytik.
Nach einer stürmischen technischen Entwicklung in den 70er und 80er Jahren hat
sich diese Methode auf einem hohen Niveau etabliert. Für alle Stoffgemische
geeignet, die sich ohne chemische Veränderungen verdampfen lassen, gestattet
sie die Trennung selbst komplizierter Substanzgemische in sehr kleinen
Stoffportionen. In vielen Fällen kann über die Retentionszeiten
eine Identifizierung einzelner Komponenten erfolgen; aus den Peakflächen ist nach Eichung eine quantitative Bestimmung
möglich.

Abb. 18: Das Funktionsprinzip eines Chromatographen
Ein inerter
Trägergasstrom, meist Wasserstoff oder Helium, durchströmt nacheinander eine
Druckregeleinrichtung (1), den Injektor (2) die
Trennsäule (3) sowie den Detektor (4). Das zu trennende Stoffgemisch
wird mit einer Mikroliterspritze in den beheizten
Injektor eingebracht und dort verdampft. Die gasförmigen Komponenten der
Mischung werden vom Trägergas in die Säule und
später in den Detektor transportiert. In der Säule selbst findet die
räumliche Trennung der gasförmigen Komponenten statt, indem diese in der Säule
unterschiedlich lange festgehalten werden. Durch diese Retention, (lat: retinere = zurückhalten)
treten die einzelnen Komponenten zu unterschiedlichen Zeiten aus der Säule
aus. Der Detektor liefert nun ein elektrisches Signal, wenn eine Komponente der
zu trennenden Mischung aus der Säule austritt. Das Detektorsignal
wird in Abhängigkeit von der Zeit aufgezeichnet, früher mit einem Laborschreiber
auf Papier, heute wird das Signal digitalisiert und auf gängigen
Speichermedien zusammen mit den übrigen Messdaten archiviert.

Abb. 19: Das Prinzip der Verteilung
Das Phänomen
der Verteilung lässt sich am besten durch einen kleinen Versuch verdeutlichen:
In eine Kaliumjodidlösung der Konzentration c=1mol/l
werden einige Kristalle Jod gegeben. Unter Schütteln löst sich das Jod mit
brauner Farbe. Überschichtet man diese Lösung mit Hexan, so bemerkt man, dass
die Jodteilchen durch die Phasengrenze in das Hexan diffundieren und diesem eine
violette Farbe verleihen. Nun wird der Versuch umgekehrt: Man löst etwas Jod
in Hexan und unterschichtet mit KJ-Lösung. Jetzt diffundiert das Jod von der
Alkyl-Phase in die wässrige Phase. Diese beiden Ausgangspositionen führen in
klassischer Weise zu einem dynamischen Gleichgewicht. Wartet man in beiden
Fällen genügend lange, so ist die Zahl der Phasendurchtritte
von "oben" nach "unten" gleich pro Zeiteinheit, d.h. an den
Konzentrationen der Teilchen in den beiden Phasen ändert sich nichts mehr.
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Nach NERNST
gilt in diesem Fall für kleine c:
c(Jod
in Phase 1) / c(Jod in Phase 2) = const
Das heißt:
Das Verhältnis der Konzentrationen ist konstant. Diese Konstante wird auch Verteilungskoeffizient genannt.
In einem
Gedankenexperiment reihen wir nun eine größere Anzahl Reagenzgläser der obigen
Art aneinander, nehmen aber zusätzlich an, dass eine der Phasen seitlich zu verschieben
sei (mobile Phase), die andere aber fest ist (stationäre Phase). Desweiteren soll die Bewegung der mobilen Phase langsam im
Vergleich zur Geschwindigkeit der Diffusionsvorgänge
sein.
Dieses
Gedankenexperiment liefert mehrere Ergebnisse:
·
Die
Teilchen in einem solchen System wandern mit der mobilen Phase, jedoch langsamer
als diese, da sie nur dann bewegt werden, wenn sie gerade in der mobilen Phase
sind.
·
Der
Bereich, in dem die zu trennenden Teilchen durch die Säule wandern, wird mit
der Dauer des Experiments breiter.
·
Die
Geschwindigkeit der Teilchen relativ zur mobilen Phase hängt direkt vom Verteilungskoeffizienten ab, denn ein Teilchen, das sich
statistisch gesehen öfter in der stationären Phase aufhält, ruht öfters. Daher
ist es im Durchschnitt langsamer als ein Teilchen, welches häufiger in der
bewegten Phase zu finden ist. Die Relativgeschwindigkeit
der Teilchen ist also stoffabhängig und kann daher zur analytischen Trennung
benutzt werden.

Das Phänomen der Verteilung bei einer
bewegten und einer ruhenden Phase
Der
Verteilungskoeffizient hängt sehr stark von der Temperatur ab. Dieser
Mechanismus ist leicht einzusehen, denn mit zunehmender Temperatur nimmt die Teilchenbewegung zu und damit die Tendenz, sich im
gasförmigen Zustand (dem Zustand größerer Entropie) aufzuhalten. Diese
Tatsache wird in der Chromatographie ausgiebig benutzt.
Hat man in
einer zu trennenden Mischung Komponenten mit stark unterschiedlichen Siedepunkten,
so kann bei konstanter Säulentemperatur unter Umständen keine Trennung in alle
Einzelstoffe erzielt werden. Entweder werden bei niedriger Säulentemperatur
die höhersiedenden Stoffe erst nach sehr langer Zeit
aus der Säule austreten (eluiert werden) oder aber es
werden bei hoher Säulentemperatur die niedrigsiedenden Komponenten nicht
getrennt. Abhilfe schafft hier eine Temperaturprogrammierung des Säulenofens.
Meist wird in
der Praxis die Messung mit einer Säulentemperatur gestartet, die auf die am
leichtesten flüchtige Komponente abgestimmt ist. Nach einer Phase konstanter
Temperatur (t1-t0) wird nun mit
einer linear mit der Zeit zunehmenden Säulentemperatur
gearbeitet, (t2-t1) so dass auch
die höchstsiedenden Komponenten aus der Säule eluiert
werden. Nach der linearen Aufheizung wird meist noch mit einer konstanten Temperatur
weiter gearbeitet. (t2-Ende) Eine solche Temperatur Programmierung
des Säulenofens ist heute allgemein Stand der Technik.

Abb. 21: Temperaturprogramm
Ein typisches
Temperaturprogramm zeigt oben. Die Aufheizgeschwindigkeit ∆T/∆t
wird in °C/min oder K/min angegeben; übliche Werte liegen zwischen 1 und 10
K/min.